Kirchentag 2005 Hannover

Was macht eine Katholikin auf dem evangelischen Kirchentag in Hannover?

Ich habe keine Ahnung, was eine Katholikin normalerweise dort macht. Ich jedenfalls habe hauptsächlich geschwitzt. Es war schließlich wahnsinnig heiß. Aber  von Anfang an:

Einige Wochen vor diesem Großereignis rief Suzie mich an und fragte, ob ich Lust hätte mit ihr zum Kirchentag nach Hannover zu fahren. Dort würden nicht nur die Wise Guys sondern auch Viva Voce auftreten. Letztere sind ebenfalls eine A-cappella-Gruppe, allerdings nicht aus Köln sondern aus Ansbach in Franken. Da meine Berufsschulfreundin Henrike in Hannover wohnt hatte ich die spontane Idee uns bei ihr einzuquartieren und sie (und ihr Freund) waren sogar damit einverstanden.

Am Mittwoch den 25.05.2005 fuhren Suzie und ich zunächst nach Recklinghausen um lulu dort noch aufzugabeln. Von da aus ging es weiter nach Hannover. Da unterwegs viel Stau war, waren wir leider erst kurz vor Mitternacht in Hannover, so dass Henrike viel länger aufbleiben musste als sie eigentlich vorhatte.

   

Erwähnte ich schon mal, dass ich es nicht mag beim Autofahren fotografiert zu werden?

Donnerstag morgen, in katholischen Bundesländern Fronleichnam, in Niedersachsen natürlich nicht, gingen wir erst mal frühstücken. Im Georxx. War sehr gut und sehr preiswert. 

  

Und so sieht man aus, wenn man gerade gut gefrühstückt hat, es noch nicht ganz so heiß ist und man voller Tatendrang ist.

Danach zogen wir erst mal durch die Stadt. Ich wollte mir schließlich bei einem der fliegenden Händler einen der blauen Kirchentagsschals kaufen. Mir ist keiner begegnet (also Schals ne ganze Menge, aber keiner der sie verkauft).

  

Interessantes Spielzeug haben die da...

Da es inzwischen sehr heiß war nutzten wir die Einkaufsstraße um dort die schönen, klimatisierten Geschäfte abzuklappern. Nach einiger Zeit fanden wir dann auch den Bahnhof und dort einen Stadtplan. Damit und mit der Hilfe eines netten Hannoveraners (ich nehme jedenfalls an, dass er einer war) fanden wir dann auch den Platz an der Marktkirche. Dort stand eine Freilichtbühne auf der am Nachmittag die Kabarett Gruppe Duo Camillo auftreten sollte. Wir suchten uns also ein schattiges Plätzchen (was gar nicht so einfach war) und etwas zu essen (was wiederum sehr einfach war).

 

mmh, lecker!

Das Duo Camillo war so gut, dass ich glatt vergessen habe, sie zu fotografieren. Wäre allerdings vermutlich eh nicht so gut geworden, da wir hinter dem Getränkestand standen.

Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Opernplatz wo am Abend die Wise Guys auftreten sollten. Es war noch relativ leer. Die Ös waren aber natürlich schon da. Sie waren mit 6 Personen in einem Auto aus Münster angereist. Wie sie sich da gestiffelt hatten erwähne ich besser nicht hier, sonst kriegen sie vielleicht doch noch Ärger mit der Polizei ;-). Da es noch so leer aussah zogen wir erst mal in den nächsten Supermarkt um unsere Getränkevorräte aufzufüllen. Als wir zurückkamen war der Platz schon so voll, dass wir kaum noch nach vorne kamen um den Ös die mitgebrachten Getränke zu reichen. Wir selbst gingen dann auf die andere Seite der Bühne, machten es uns auf dem Boden bequem und verputzten erst mal unser Abendessen: Frikadellchen und die letzten vier Brötchen die der Bäcker zu bieten hatten.

   

Falls sich jemand wundert warum die Leute so uninteressiert herumstehen oder sitzen, obwohl die Jungs schon auf der Bühne stehen: Das war der Soundcheck.

Der Soundcheck der Wise Guys musste dann bei bereits vollem Platz stattfinden. Schon interessant, wie so was abläuft.

Das Konzert selbst war Spitzenklasse. Es waren für mich fünf neue Lieder dabei:

- Denglisch: Ein Lied über Anglizismen in der deutschen Sprache, sehr gut und sehr wahr. gesungen von Sari

- Weltmeister: Na ja, inhaltlich brauche ich dazu wohl nix zu sagen, auch sehr gut und genauso wahr, gesungen von Dän.

- 9-live: auf "I will survive", ein Lied über den vorne genannten Fernsehsender, geniales Stimmungslied (woher wohl? ;-)) und auch extrem wahr,  gesungen von Eddi

- Mad World: Ist wohl nicht mehr so ganz neu. Ein Arrangement bei denen es einem kalt den Rücken runterläuft. Genial. Durch die Moderation in der Pause war es auch nicht so unruhig obwohl dieses Lied das Erste nach der Pause war, gesungen von Dän

- Feierabend: auch hier brauche ich wohl nicht allzu viel über den Inhalt zu sagen. War ok, hat mich aber nicht vom Hocker gerissen, gesungen von Sari

Der Andrang auf die Jungs nach dem Konzert war überwältigend und es war gut, dass sie auf der anderen Seite der Absperrung standen, sonst wären sie vermutlich erdrückt worden.

   

Genauso erdrückt wie ich, als ich mich ganz harmlos mit Anette Dewitz unterhalten habe und Dän plötzlich neben ihr auftauchte. Ich bin da nur noch mühsam rausgekommen.

Nachdem der größte Andrang vorbei war, sang Clemens uns noch ein neues Lied vor, von dem allerdings noch nicht ganz klar ist, ob es überhaupt ins Programm kommt. Schööööön!

Danach machten wir uns wieder auf den Weg zu unserem Schlafplatz. Henrike und Martin waren schon im Bett als wir ankamen. Nach einer kurzen Dusche waren wir dann auch da.

Als wir am nächsten Morgen ausgeschlafen hatten, gingen wir wieder ins Georxx zum Frühstücken und anschließend in die Stadt. Dort wollten wir allerdings nicht lange bleiben, da es erstens zu heiß war und ich zweitens die Hoffnung hatte auf dem Expo- und Messe-Gelände einen der Schals zu kriegen. Auf dem Rückweg zur Wohnung kamen wir an einer Eisdiele vorbei und kauften uns erst mal Eis. Da wurde Suzie von hinten angesprochen. Die Jungs von Viva Voce saßen in der Eisdiele. Sie waren in der Stadt um auf der Straße ein paar Lieder zu singen um Werbung für ihr Konzert am Abend zu machen.

 

Nach der Beratung, was denn gesungen werden sollte und wo (näher an der Blaskapelle oder an dem Gospelchor?), legten sie los.

   

Auch wenn die akustischen Verhältnisse nicht gerade einfach waren (vielbefahrene Straße gegenüber, Blaskapelle rechts, Gospelchor links) überzeugten sie schnell. Welche Lieder sie sangen kann ich nicht mehr so genau sagen, Suzie hat aber mitgeschrieben.

   

Wie man sieht blieben mehrere Leute stehen (übrigens sehr viel mehr als bei dem Gospelchor und der Blaskapelle) und bekamen Infozettel von Viva Voce in die Hand gedrückt. Nach vier Liedern war Schluss. Die Jungs verabschiedeten sich um sich im Hotel noch etwas auszuruhen und wir gingen in die Wohnung um eine Kleinigkeit zu essen und uns etwas abzukühlen.

 

Nach diesem reichhaltigen Mahl ruhten wir uns noch etwas aus und machten uns dann auf den Weg zum Messegelände. Dort suchten wir erst mal noch nach einem fliegenden Händler mit blauen Schals und als wir keinen fanden nach dem deutschen Pavillon. Der war dafür etwas leichter zu finden. Es fand gerade ein Gospelgottesdienst statt. Wir gingen wieder raus, um uns vor dem Konzert noch etwas zu stärken.

Dann gingen wir wieder rein und sahen uns den Gospelgottesdienst noch zuende an. Einer nach dem Anderen tauchten Viva Voce dort auf und gingen in einen etwas wackeligen Verschlag, wo sie sich umziehen konnten.

Der Gottesdienst war zuende kurz bevor das Konzert beginnen sollte. Die hatten aber noch keinen Soundcheck gemacht. Ich freute mich also die Unterschiede zwischen den beiden Soundchecks kennenzulernen. Der Hauptunterschied war allerdings, dass bei Viva Voce zunächst zwei von vier Monitorboxen nicht funktionieren. Während der Techniker Benni durch die Gegend flitzte um zu versuchen die Boxen wieder in Betrieb zu nehmen, überlegten die Jungs auf der Bühne, wie sie mit zwei Boxen auskommen könnten. Brauchten sie aber dann doch nicht. Irgendwann kam ein netter Mensch an drückte auf die richtigen Schalter und die richtigen Kabel in die richtigen Steckdosen und auf einmal ging alles wieder. Die Voces bedankten sich für die Geduld des Publikums und verschwanden kurzzeitig um sich auf das Konzert vorzubereiten.

   

   

   

   

   

   

   

   

   

Wie man sieht war das Publikum begeistert. Ich übrigens auch. Das Publikum bestand zu einem größeren Anteil aus dem Gospelchor vom Gottesdienst davor. Dabei habe ich dann festgestellt, dass Lambrusco aus Flaschen bei den Temperaturen keine besonders gute Wirkung auf minderjährige Mädchen hat. Da sind so einige ziemlich abgedreht. Das passte jedenfalls dazu, dass sich die Jungs ja A-Cappella-Boygroup nennen. Für die ruhigen Lieder war die Masse leider etwas zu unruhig, dafür hat sie bei den anderen besonders gut mitgefeiert. So wie die Jungs wirkten hatten sie so was auch noch nicht erlebt.

Den Vergleich von Viva Voce zu den Wise Guys schenke ich mir jetzt, da ich die Wise Guys in dem Stadium, in dem sich Viva Voce jetzt befindet, noch kaum kannte. Stimmlich sind sie jedenfalls jetzt schon weiter. Das liegt aber vermutlich daran, dass sie alle bis auf einen (nämlich den Bass, woher kommt mir dass nur so bekannt vor) beim Windsbacher Knabenchor waren. Tanzen können sie auch besser und das Mundschlagzeug klingt auch etwas überzeugender. Der Rest ist Entwicklungsfähig. Sie könnten also noch erfolgreicher werden, zumal die Wise Guys ja Vorarbeit geleistet haben und A-cappella-Pop bekannt gemacht haben.

Nach dem Konzert fuhren wir noch zum Hotel der Jungs (sie hatten uns eingeladen, wir sind noch nicht solche Groupies, dass wir da von alleine hinfahren würden) und haben uns noch mit ein paar von ihnen unterhalten. Außerdem war noch ein früherer Erzieher vom Windsbacher Knabenchor mit seiner Familie da und da war die Wiedersehensfreude natürlich groß. Wir waren jedenfalls gegen drei Uhr im Bett.

Am nächsten Tag standen wir um viertel nach sieben auf um um acht mit Henrike und Martin zu frühstücken und anschließend so schnell wie möglich nach Köln zu fahren. Dabei musste ich schmerzlich feststellen, dass es selbst bei heller Kleidung sehr warm auf dem Fahrersitz wird, wenn man bei strahlendem Sonnenschein vormittags nach Südwesten fährt. Aber wir waren um 13 Uhr in Köln und somit früh genug um rechtzeitig zum Einlass beim Tanzbrunnen zu sein.

Fazit: Zwei ganz tolle Konzerte. Für beide Gruppen ein einmaliges Erlebnis und das größte Konzert, dass sie je gegeben haben, wenn auch in sehr unterschiedlichen Größenordungen. Bei den Wise Guys waren etwa 35.000 Leute da (laut Polizei) und bei Viva Voce schätzungsweise 500-1000. Die zwei Tage und drei Nächte haben sich wirklich gelohnt. Der nächste Kirchentag ist in Köln. Da werde ich da sein. Genauso wie beim Weltjugendtag und hoffentlich auch beim nächsten Katholikentag!

Einen Schal habe ich übrigens keinen gekriegt. Die fliegenden Händler haben sich erfolgreich vor uns versteckt!

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